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Tempelhof die blanke Helle

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Auf dem Alboinplatz zwischen Schöneberg und Tempelhof liegt ein kleiner Weiher, der in heutigen Stadtplänen keinen Namen mehr hat. Auf älteren Plänen und vor allem auch im regionalen Sagengut ist es Helspfuhl oder Blanke Helle. Der heutige Alboinplatz wird von einer mehrspurigen vielbefahrenen Straße umschlossen, in der Mitte eine grüne Park-Insel, die in einer tiefen Mulde liegt. Diese ganze Senke wurde früher von dem Weiher ausgefüllt. In alten Zeiten soll es ein großer See gewesen sein. Als man aber im 20. Jh. den Teltowkanal anlegte, zog der das meiste Wasser an sich, so daß nur ein kleiner Rest übrig blieb. Von der „Blanken Hölle“ erzählt die Sage:

Als die ersten Christen in unsere Heimat kamen, lag um den See ein dichter Wald. Von Tempelhof war noch nichts zu sehen; denn die Tempelritter siedelten sich erst später an. Am See, mitten im Walde, lag ein heidnisches Heiligtum der Göttin Hel. Darin waltete ein alter heidnischer Priester seines Amtes am Opferstein.

Als nun die ersten christlichen Mönche mit dem Kreuz in unsere Heimat kamen, verirrte sich einer derselben in diese Einöde und kam an das heidnische Heiligtum. Der alte Heidenpriester nahm ihn freundlich auf, und da er schon recht gebrechlich war, bot er ihm an, an seiner Stelle den Dienst am Opferstein der Göttin Hel zu übernehmen. Doch der Mönch sprach: „Ich diene dem allmächtigen Christen Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erden. Wie kann ich deiner machtlosen Göttin opfern?“

Doch lebten die beiden friedlich miteinander, bis der greise Heidenpriester eines Tages starb. Was sollte der Mönch nun allein in dieser Wildnis anfangen? Ihm schickte die Göttin Hel nicht ihre schwarzen Stiere aus dem Wasser des Sees herauf, daß sie das Land umpflügten, aus dem dann unglaublich schnell das Brotkorn sproßte. Und was der Alte an Nahrung hinterlassen hatte, das neigte sich dem Ende zu. Der Mönch wollte die Hilfe der Heidengöttin Hel nicht in Anspruch nehmen, sondern vergaß die Opfer an die Götttin und so schäumte eines Tages das sonst so klare Wasser schwarz auf, stieg über die Ufer, und die reißenden Wogen verschlangen Mönch, Heiligtum und Opferstein. Seitdem ist nichts mehr von der Stätte zu sehen. Hel zürnt den Menschen, und die Leute sagen, daß sie sich noch jedes Jahr ein Opfer in die Tiefe ziehe – schon mancher ist in dem anscheinend harmlosen Gewässer ertrunken.

Die heidnische Göttin ist von den heutigen Leuten vergessen worden, und die Bewohner wußten mit dem Namen „Helpfuhl“ also nichts mehr anzufangen. So nannten sie das Gewässer die „Blanke Hölle“.

 

Eine andere Version der selben Geschichte:

An diesem See soll einst ein Heiligtum Hels gestanden haben mit Opferstein und Priester. Das Totenreich der Hel lag am Grunde dieses Sees oder zumindest war dieser See der Zugang dazu. Jährlich schickte sie ihren schwarzen Stier (in einer anderen Variante zwei Stiere) auf die Erde, um die Felder des Priesters zu pflügen und das Korn wachsen zu lassen. Der Priester seinerseits opferte und diente der Hel. Der Priester nahm schließlich einen chr**tlichen Mönch bei sich auf und bat diesen sein Nachfolger zu werden, was der Mönch aufgrund seines Glaubens ablehnte. Der alte Priester starb und der Mönch blieb in dem Heiligtum wohnen. Aber er opferte der Hel nicht und verrichtete auch die anderen heiligen Aufgaben nicht, ließ die Ernte verkommen.

Schließlich kam im nächsten Frühjahr der heilige Stier, der sonst die Äcker gepflügt hatte. Diesmal jedoch verschlang er den ungläubigen Mönch. Dies ist die Fassung der Sage, nacherzählt in einem Berliner Sagenbuch.

Heute wird Hel´s Pfuhl überragt von einer sehr beeindruckenden Statue eines riesigen schwarzen Stiers, der die Erinnerung an die Sage lebendig hält und die Kraft dieses Ort weiter verstärkt. Auch wenn hier die Menschen ihren Hund ausführen so ist es alles andere als eine typische Großstadt-Grünanlage und ein kraftvoller – wenn auch leider nicht ungestörter Ort – bewachsen von Birken, Buchen, Eiben und Holunder.

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